Diplom-„Alltag“
10h morgens sich aus dem Bett quälen, 10:15h den 1. Kaffee einstellen, währenddessen den Rechner hochfahren und versuchen, den Gedankenwust im Kopf und in den Büchern Herr zu werden. die Sonne scheint draußen, bunte Blätter wirbeln durch die Luft und der arme Sepp hockt in Berlin City in seiner Butze und muss am Diplom basteln, äh schreiben.
Da ich außer Nonsens eigentlich keine hochinterlektuellen Ergüsse bisher zustande gebracht habe, läuft die ganze Angelegenheit sehr schleppend voran. Nach drei Wochen bin ich immer noch bzw. grade erst auf Seite 1 von 60, bleiben quasi „nur“ noch 59 Seiten.
Der Bücherstapel auf dem Fußboden ist beträchtlich, 30 Werke sind dort aufgebaut, mit Post-its versehen, wo was wie interessant drin steht. Sonst ist nicht viel in den letzten 3 Wochen produktives geschehen.
Wie auch? Sicher, es wäre besser ich würde die Diplomarbeit in Pöcking, am Bodensee auf der Zugspitze oder aber auf Usedom schreiben. Dort würd ich durch nichts und niemanden abgelenkt, abgeschottet von der Außenwelt. Aber hier, in der „mittendrin statt nur dabei“ Metropole mit einem immensen Angebot an Freizeitaktivitäten jeglich coleur fällt es mir doch recht schwer, mich aufs eigentlich im Moment wichtigste und wesentliche zu konzentrieren.
So wird an Wochenenden auch nicht viel kürzer getreten, gestern ists auch schon wieder früher morgen geworden, ach ne, war heute (und das Wochenende hat noch nichtmal begonnen...). Daneben lockt noch der Fußball, Ausstellungen und einfach nur quatschen in Cafes und am Telefon.
Aber andererseits: es ist mein letztes Semester, noch einmal das Studenten-Lotter-Leben genießen, bevor der grausame, 35-40 Jahre dauernde furchtbare Alltag beginnt. Insofern gilt es eine Balance zu finden, zwischen Kultur und Tortur, zwischen Feiern und Schreiben, zwischen Abhängen und produktiv vorm Schreibtisch hocken.
Bleiben noch ca. 2 ½ Monate in denen alles bitter besser werden soll (und muss), zumindest was meine Emsigkeit angeht...
Mittlerweile ist der 2. Kaffee fällig.
Da bleibt nur eins: Mal wieder in die Sprüche-Kiste greifen und den Spruch rausholen, der an unzähligen Gebäuden und auf Wegen von irgendwelchen „Künstlern“ hier in Berlin gesprüht worden ist: „es wird wieder!“

