Berlin - die Metropole: Eindrücke und Ansichten aus der Weltstadt sowie aus meinem Leben

24 April 2006

"Charmante" Visionen

Dieser Titel fasst einige Stunden des letzten Freitags und Samstags ganz gut zusammen. Am ersten der genannten Tage hat es mich in den Magnet-Club verschlagen, einer kleinen Laden der - um es vorweg zu nehmen - für diese Art von Parties aus meiner Sicht ungeeignet ist. Das Motto lautet "Fuck me, I`m electric" und es sollte Electro-Indierock-Tecnopop-Disko zum Besten gegeben, keine so ganz ungewöhnliche Musik-Mischung in der heutigen Zeit, allerdings lies schon der Pressetext zu der Party (ein Auszug draus siehe unten) hartes erahnen. Ums kurz zu machen: Den Live-Auftritt von den Ueberbabes fand ich cool, das wars auch. Die DJs haben so eine seltsame Mischung von Rock/Techno/House gespielt dass ich eher an Kraut und Rüben denn an eine vernünftige Party gedacht habe. Krankes habe ich ja schon vieles hier erlebt, da reiht sich der Abend glänzend ein. Allerdings wäre es ohne den Live-Act eher ein langweiliger Club-Abend gewesen. Den 3. Live-Act der dort aufgetreten ist konnte ich mir übrgigens nicht antun, so ne Rockband ist halt dann doch nix für meine Ohren...
Um euch zumindest ein bischen an der vermeintlichen Schräg- bzw. Coolheit der Ueberbabes teilhaben zu lassen, checkt die Homepage www.ueberbabes.net und www.myspace.com/ueberbabes
Der Pressetext:

Die gewöhnliche Laufbahn einer Band beginnt ja meist so:
Man trifft sich im stundenweise gemieteten Proberaum, spielt zehn bis fünfzehn Stücke ein, streitet sich ein halbes Jahr lang über den Namen, wagt sich für die ersten Konzerte in einem abgelegenen Schuppen auf die Bühne. Bestenfalls spricht sich der Name herum, der Erfolg folgt, die Band lässt sich die gleichen Tattoos stechen, verwüstet Hotelzimmer und andere Etablissements. Oft endet es in Hass auf sich selbst und alle anderen und schließlich der Auflösung.
Die ÜBERBABES machen es konsequenterweise in der umgekehrten Reihenfolge!“ „La grande Dame de Koketteria“ KICKY JOE und „der kreative Frickler“ MAD TRAKKER (EX-10.000 DOWNLOADS KILL A NEWCOMER BAND, EX- SENSELESS NOISE) zerschmettern 50 Jahre Wissen über instrumentale Rollenverteilung auf dem Boden dreckiger Hinterhöfe und schaffen so eine verstörende und doch höchst berauschende Mischung aus Techno, Punk, Prozac und Polen.
Seit nun gut einem Jahr vereinen die ÜBERBABES konsequent Strukturen der Rockmusik, Einflüsse der 80er und Attitüden des Punk mit dem tanzbaren Groove des Techno. Zu ihrem Auftritt bei Berlins größtem Musikfestival schrieb die [030]:
„Sie sind Punk und Boheme, und sie sind Elektro, der einfach nach vorne geht!“ KICKY JOE selbst zu deren Sound in einem Interview: „Keine Mädchenmucke, manchmal hart, dennoch charmant!“ In Berlin geben sie sich mittlerweile die Klinke aller angesagten Läden in die Hand und bereichern zunehmend auch international rauschende Feste mit ihrer treibenden
Musik und einer fesselnden Bühnenpräsenz!

Fesselnd war die Bühnenpräsenz defintiv und gerockt hats auch und mit Mädchenmukke hats wirklich rein gar nix zu tun. Wer den Text aufmerksam gelesen hat wird das Wörtchen "charmant" gefunden haben - damit wäre der 1. Teil des Titels abgearbeitet.

Zum 2. Teil gibts nicht ganz soviel zu berichten, nach dem samstäglichen Fussball-Schau-Ritual in der ML gings in den Club der Visionäre, meiner defintiven Liebglings-Open-Air Location. Aufgrund des noch nicht ganz so warmen Wetter verirren sich bisher nur wenige Leute in den Laden, aber trotzdem war auch samstag nachmittag was los. Wie immer konnte man im Flutgraben auf wankenden Holz-Pontons sitzen, der untergehenden Sonne zuschauen und übers Leben sinieren, "Visionen" entfalten in jeglichster Hinsicht und auf morgen warten. Es gibt keinen besseren Ort dazu, Blick aufs Wasser - das leichte Schwanken - Bier in die Hand - seichter Techno im Ohrgang - Abhängen - einfach Berlin. Wer sich selbst davon ein Bild machen möchte: im Kopf des Blog ist ein älteres Foto vom Club zu sehen, oder vorbeikommen: Schlesische Straße, Am Flutgraben, einen Meter westlich der ehemaligen Mauer, X-Berch, Berlin-City